Sic Semper Tyrannis 3 und die Realität

So, nach mehrfachen Verzögerungen, die unter Überarbeitungsgesichtspunkten, aber auch anderen, kleineren Projekten zu verbuchen sind, ist Teil 3 nun endlich fertig und Amazon hat sein wohlwollendes "Jau" verkündet.

 

Während Leutnant Berger und Oberleutnant Wagner in Afrika versuchen, die Festung der Rohaal zu infiltrieren, damit diese bei der großen Offensive nicht die Hälfte der menschlichen Streitkräfte ausradiert, kommen weitere Probleme zutage:

Nicht nur Konkurrenzdenken innerhalb der Streitkräfte, vor allem zwischen "Normis" und Liminals, sondern auch zwischen Berger und einem älteren Kollegen.

 

Die Frage, die sich erneut stellt: Würden Menschen genetisch veränderte Menschen akzeptieren? Während ich mit diesem Problem in meinen Romanen spiele, sogar über eine "Pure Humanity" Gruppierung spekuliere, versucht die Realität, klammheimlich an mir vorbeizuziehen.

 

Während ich diese Zeilen schreibe, haben die Chinesen klammheimlich die ersten "Proto-Liminals" geschaffen. Lulu und Nana sind schon berühmt, bevor sie eine Woche auf der Welt sind. Zwar haben sie "nur" eine durch genetische Manipulation eingeflochtene "Resistenz" gegenüber AIDS, aber es ist ein erster Schritt.

 

Doch wir leben in einer Zeit, in derartige "Versuche" massiv umstritten werden. Die Chinesen selbst haben die Notbremse gezogen, den Wissenschaftler nun quasi auf Eis gelegt und allgemein ist die Empörung gigantisch. "Designerbabys!" sind offenkundig für viele ein Schreckgespenst. Ist es die Angst, dass alle "unbehandelten" Kinder in der Zukunft nur noch "Zweiter Klasse" sind? Haben wir hier potenzielle "Augments" in der Produktion, die irgendwann die Herrschaft über alle anderen erringen wollen?

 

Tatsächlich ist das ein potenzielles Szenario. Doch wie bei jeder wissenschaftlichen Entwicklung sollten wir, meiner bescheidenen Meinung nach, alle Seiten der Medaille betrachten. Die "Vorzüge" von genetischer Manipulation sind so manigfaltig, wie spannend: Resistenz gegenüber Krankheiten wie Krebs, Aids, Alzheimer und anderen, furchtbaren Krankheiten wär eein Riesenschritt. Auf der anderen Seite würden wir damit einen weiteren Kontrollmechanismus der Bevölkerungsexplosion eliminieren. Schon heute haben wir zu viele Menschen, die nicht alle versorgt werden können. Es mag zynisch und grausam klingen, aber all die Krankheiten, die existieren und Menschen töten, sind im Gesamtbild betrachtet, ein "nützlicher" Faktor für die gesamte Spezies. Das Problem, das wir haben ist jedoch, dass sie völlig wahllos agieren: Auf der anderen Seite: Ist ein Reisfarmer in Asien mehr "wert" als ein Stephen Hawking? Hier krachen moralische Ethik und nüchterne Pragmatik gegeneinander. Könnte der Reisfarmer vielleicht, mit entsprechender Hilfe und Ausbildung, einen Weg finden, eine reisstente Reispflanze zu entwickeln, die den Hunger besiegt? Oder ist die Chance, dass der Wissenschaftler in Europa oder Amerika das erreicht, nicht viel größer? Wir wissen es nicht, wir können nur Statistiken und Wahrscheinlichkeitsmodelle bemühen, doch am Ende trefen so viele Faktoren aufeinander, dass eine eindeutige Antwort unmöglich ist.

 

So oder so, die "Katze ist aus dem Sack." Wir wissen nun, dass dank jener Methode, der "Genschere" eine Manipulation möglich ist. Wir schrecken davor zurück, haben Angst vor Gefahren, die in einigen Generationen auftauchen könnten. Der eingebaute Fehler, den wir jetzt nicht erkennen. Sicherlich ist das eine Gefahr, doch wo wären wir ohne menschlichen Forschergeist? Wo wären wir ohne Risiko?

 

Ich persönlich denke, dass der aktuelle Aufschrei, das erzürnte Brüllen der Ethikräte und anderer Organisationen, die ganze Sache maximal verlangsamen. Sind wir mal ehrlich: Wenn es möglich ist, wird es passieren. Sobald die ersten, reichen Eltern eine Chance sehen, einen genetischen Deffekt, mit dem ihre Familie belastet ist, ihrem Kind vorzuenthalten, werden sie einen Arzt finden, der es für sie erledigt. Das wird so lange unter dem Radar geschehen, bis schlussendlich genug "Evidenz" existiert, damit eine "Korrektur" unmöglich wird. Wir werden die Option irgendwann als gegeben ansehen müssen, weil wir vor vollendeten Tatsachen stehen.

 

Sind jene Optionen auf Neugeborene beschränkt? Oder können wir irgendwann die DNS "on the fly" behandeln? Gar ein "Superheldenserum" entwickeln, um Elitesoldaten noch tödlicher zu schaffen, die stärker, schneller und widerstandsfähiger sind?

 

Wir menschen sind eine verflucht komplexe und widersprüchliche Spezies. Wir verdammen oft, was wir nicht verstehen. Fremdes macht uns Angst. Doch ich persönlich denke, dass die allermeisten Eltern alles dafür tun würden, ihren Nachkommen einen genetischen Defekt oder Krankheit zu ersparen, wenn es technisch möglich ist.

 

Ich für meinen Teil hoffe einfach, dass die "echten" Liminals weniger Probleme bekommen, als "meine" Variante im SST Universum.

 

Kris Leon

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